Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Nicolai Service | Ev.-luth. Kirchengemeinde Alfeld St. Nicolai

Service

Gebet zur aktuellen Lage

Das Virus ist da, die Krise ist da.
Nachrichten überfluten mich.
Mein Gott, ich mache mir Sorgen um meine Familie, meine Freunde, um mich.
Bewahre mich vor Panik, und gib mir die Weisheit, guten von schlechtem Rat zu unterscheiden.

Mir fehlen meine Kinder, meine Enkel.
Ich möchte meine Eltern besuchen und soll es doch nicht.
Gott, gib mir Geduld.

Beschütze, die mir lieb sind.
Stärke alle, die Verantwortung tragen in der Politik, in der Gesellschaft.
Sei bei den Ärzten und Pflegekräften in den Krankenhäusern.
Steh den Erkrankten bei in ihrer Not.

Hilf uns allen durch diese Zeit hindurch;
schenke uns den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.
Behüte uns an Leib und Seele.
Du bist unsere Zuversicht!

Amen.

 

Stellungnahme von Superintendentin Katharina Henking zum Weggang von Pastor Christian Diederichs

 
Liebe Gemeinde,
 
Pastor Christian Diederichs verlässt Alfeld und übernimmt zum 1. November eine neue Aufgabe in der Landeskirche. Die Entscheidung, einen Pfarrstellenwechsel anzustreben, ist in den letzten Wochen in vielen Gesprächen zwischen Pastor Diederichs, dem Landeskirchenamt und mir als seiner Superintendentin gemeinsam getroffen worden.
Auslöser für diesen Prozess war ein von Pastor Diederichs im Juli verfasstes „Wort zum Sonntag“ für die Alfelder und die Leine-Deister-Zeitung, dessen Veröffentlichung in der Presse durch die Leitung der Zeitungsredaktionen nach Rücksprache mit den beiden Superintendenten Christian Castel und Katharina Henking aufgehalten wurde. Meines Erachtens stellt Pastor Diederichs in diesem Text die Singularität des Holocausts in Frage. Pastor Diederichs selbst zog nach der Reaktion von Zeitung und Kirchenleitung seine Erlaubnis zur Veröffentlichung des Textes unwiderruflich zurück.
Als Superintendentin distanziere ich mich in aller Form von den Inhalten dieses Textes. Im Raum des „Wortes zum Sonntag“ spricht niemand als Privatperson, sondern als Pastor*in, die/der das öffentliche Amt der Verkündigung innehat und damit immer auch in besonderer Verantwortung für die Kirchengemeinde und die Bürgergemeinde steht.
Leider ist dieser Text, obschon er nicht veröffentlicht wurde, dennoch weitergereicht worden, und damit doch in gewisser Weise in der Welt. Pastor Diederichs hat sich nach der Entscheidung, diesen Text nicht zu veröffentlichen, seinerseits von seinem „Wort zum Sonntag“ distanziert und seinen Text als missverständlich und als Fehler bezeichnet. Eine entsprechende Erklärung hat er gegenüber dem Geistlichen Vizepräsidenten des Landeskirchenamtes, Arend de Vries, abgegeben.
 
Pastor Diederichs sieht den bevorstehenden Wechsel als eine Chance, die er auch aus biografischen und persönlichen Gründen ergreift. Ich habe Christian Diederichs als einen hoch engagierten Pastor erlebt, der sich in den vergangenen Jahren in die Herzen vieler Menschen gepredigt und herausragende Projekte, wie z.B. die Orgelrenovierung in der Nicolai Kirche Alfeld befördert und umgesetzt hat. Sein Weggang ist sicherlich für viele in der Gemeinde ein Schock. Die Dienste, die er hier in all den 18 Jahren geleistet hat, werden nicht geschmälert durch diese gemeinsame Entscheidung. Wir werden darum ringen müssen, uns als Gemeinde in dieser aufwühlenden Phase nicht auseinander treiben zu lassen.
Ich bin Pastor Diederichs dankbar, dass er den Neustart am anderen Ort auch als eine Chance versteht und ich wünsche ihm dafür viel Kraft und Gottes Segen. Pastor Diederichs wird eine andere Aufgabe als Pastor in der Landeskirche übernehmen. Die Vorgänge, die zum Weggang von Pastor Diederichs geführt haben, werden vom Landeskirchenamt der Landeskirche dienstrechtlich überprüft.
 
Pastor Diederichs möchte auf eine offizielle Verabschiedung verzichten. Diesen Wunsch respektiere ich voll und ganz. Ich möchte die Gemeindeglieder, die ihm ein persönliches Zeichen des Dankes geben möchten, bitten, dies auf persönlichem Wege zu tun.
Wie wird es vor Ort in Alfeld weitergehen? Ab dem 1. November wird in der Nicolaigemeinde auf der Pfarrstelle, die Pastor Diederichs innehatte, eine Vakanz eintreten. Pastor Michael Kratochwill, der in der Nicolai- und in der Friedenskirche tätig ist, wird die offizielle Vakanzvertretung übertragen. Unterstützt wird Pastor Kratochwill von seinen Kollegen Pastorin Andrea Haase, Springerpastorin im Amtsbereich Alfeld, und Pastor Heinrich Schlimme, Altenheimseelsorger in Alfeld. Die Stelle wird sobald als möglich zur Wiederbesetzung freigegeben und öffentlich ausgeschrieben. Im Besetzungsverfahren ist die Stadt Alfeld als Patronin maßgeblich beteiligt.
 
Alfeld, 22.September 2020
 
Katharina Henking
Superintendentin des Kirchenkreises Hildesheimer Land/ Alfeld (Alfeld)

Stellung der Landeskirche Hannovvers:

"Die Landeskirche Hannovers distanziert sich in aller Form von dem Andachtstext von Pastor Diederichs. Eine Formulierung, die auch nur den Anschein erweckt, dass sie den Holocaust relativiert, ist für uns in keiner Weise tragbar. Als Landeskirche stellen wir in unserer Verfassung klar, dass wir um die Schuld unserer Kirche gegenüber Jüdinnen und Juden und dem Judentum wissen und eine besondere Verantwortung tragen, jeder Form des Antisemitismus und damit jeder Relativierung des Holocausts eindeutig zu widersprechen.

Seit Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Pastor Diederichs prüft das Landeskirchenamt, inwieweit über den aus Sicht des Landeskirchenamtes inakzeptablen Inhalt hinaus der Andachtstext eine Amtspflichtverletzung darstellt, die die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens gegen Pastor Diederichs notwendig macht."

Hannover, 14.09.2020

Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann, Pressesprecher der Landeskirche Hannover